iAd ein kleiner Ausblick.

iAd ein kleiner Ausblick.„Most mobile advertising really sucks“ – Steve Jobs bei der Präsentation der iAds im Rahmen der OS 4 Vorstellung.

Was meint er damit? Vielleicht die Werbung für den Download von Internet Explorer 8 oder die für eine nicht vorhandene Guitar Hero App. Vielleicht meint er auch das schreckliche Farbdesign und die völlige Zielgruppenferne, gewürzt mit fehlender Interaktion und dem tollen Gefühl, wenn man die App durch das Klicken auf ein Banner verlässt und der gesamte Spielstand mal wieder weg ist.

Wahrscheinlich meint er das alles.

Was ist also die logische Schlussfolgerung wenn andere es nicht richtig machen? Genau, Apple macht es einfach selbst und in typischer i[Produktname]-Tradition heißt das ganze natürlich „iAd“.

Die iAds versprechen vieles und klingen auf den ersten Blick für alle Beteiligten sehr positiv:
In der Anfangsphase bastelt Apple die Werbung und alles kann in HTML5 erstellt werden. Die Werbung ist interaktiv, emotional und zielgruppenorientiert. Der Nutzer kann die Werbung jederzeit verlassen und bleibt immer in der App. Die iAd vereint alle Medien, ist leicht zu beenden und das ganze läuft trotzdem auf eine, laut Brancheninformationen, faire Verteilung von 40% für Apple und 60% für die Entwickler, die die Werbung in ihre Apps einbinden, hinaus.

Natürlich hat das auch seinen Preis: Statt der läppischen Kosten für eine Kampagne bei Google Adsense sind die ersten Kampagnen angeblich nur im Bereich von mehreren Millionen $ zu buchen und die Werber freuen sich sicher eher weniger über Preise von laut Wall Street Journal 2$ pro Klick (Die Preise sind von Adage.com bestätigt worden).
2$ pro Klick bedeutet: Sobald ein Nutzer ein Banner antippt kostet das den Werbekunden 2$. Egal wie lange der Nutzer in der Werbung bleibt, egal ob er etwas kauft, einen Link aufruft oder sich irgendwie informiert.
Das freut Apple und die Entwickler, die so schnell Geld verdienen, und dürfte gerade kleinere Unternehmen eher davon abschrecken eine Kampagne zu buchen. Auch die großen Player sind solche Preise nicht gewohnt, hoffen jedoch offensichtlich auf eine große Wirkung der Werbung und eine hohe Effektivität. Die von Apple erstellten Minispiele und Multimediaangebote versprechen schließlich hohe Trefferzahlen und eine lange Verweildauer, also einen großen Werbeeffekt (und folglich viele verkaufte Produkte). Wer würde schließlich nicht ein paar Minuten in der demonstrierten Toystory 3-Ad verbringen oder sein Studentenzimmer wie Steve Jobs einrichten wollen?

Außerdem bieten die iDevices mit 85 Millionen Geräten (+ iPads) eine relativ überschaubare und vor allem einheitliche Zielgruppe sowie gleiche technische Voraussetzungen und eine einfache Einbindung der Werbung in die Apps. Wahrscheinlich muss der Entwickler lediglich einen vorgefertigten Symbolkasten in seine App hineinziehen und braucht sich danach um nichts mehr zu kümmern (vom Geld zählen abgesehen).

Apple musste um das alles organisieren zu können eine neue Abteilung aus dem Boden stampfen beziehungsweise hat mit Quattro Wireless bereits Kompetenz eingekauft. Auch die Server kosten Geld, es muss abgerechnet werden und anfangs müssen Kapazitäten für die Erstellung der Werbung genutzt werden. Das kostet.

Es stellt sich also die Frage warum Apple diesen Aufwand (abseits des großen finanziellen Profits im Falle des Erfolgs) betreibt und es gibt drei populäre Antworten, die es zu diskutieren gilt:

1. Apple ist an der Qualität im Appstore interessiert. Daraus ergeben sich zwei wesentliche Punkte: Erstens, möglichst viele Apps sollen sich über Werbung finanzieren können, damit zum einen der Nutzer mehr Auswahl hat und zum anderen die Entwickler sicher sein können, von werbe-finanzierten Programmen tatsächlich leben zu können.
Zweitens, wie oben zitiert ist die bisherige Werbung weder gut noch angenehm für den Nutzer. Um hier mehr Komfort zu schaffen setzt Apple, wie auch im Appstore, auf verbindliche Richtlinien.

2. Apple will sich an Google für den Admob-Kauf „rächen“, denn auch Apple wollte Admob kaufen und es sind vornehmlich diese beiden Firmen, die momentan die Werbung auf den iDevices „verbrechen“.

3. Apple will weiter expandieren und den Appstore stärker kontrollieren. Die einzigen Elemente, die dieser Kontrolle noch nicht vollständig unterliegen, sind die Werbebanner. Wenn Apple nun auch hier die Mehrheit in der Hand hat und zudem, ähnlich wie beim Appstore-Zulassungsprozess, gezielt entscheiden kann, wer Werbung schalten darf und wer nicht, ist dies definitiv in ihrem Interesse.

Aus meiner Sicht ist Punkt zwei eher von nachrangiger Bedeutung, viel wichtiger sind der Qualitätsaspekt und die Kontrolle, zumal sich Apple hier aus dem nichts ein neues Betätigungsfeld schafft, das bis jetzt noch niemand wirklich gut gemacht hat und das mit weiteren Produkteinführungen gleichzeitig immer weiter wachsen kann. Der Markt ist also da und wächst praktisch von selbst.

Auch hier werden Entwickler durch ein iAd-SDK (Software Development Kit) an Apples Regeln gebunden sein, Flash wird keine Rolle spielen und man schafft neue Anreize für Entwickler.
Diese können nämlich Kompetenzen aus dem Web leicht übertragen und sich mit dem Programmieren der Werbung leicht etwas dazuverdienen oder auf der anderen Seite als Anwendungsprogrammierer auch mit einer kostenlosen Applikation gutes Geld verdienen.
Zusätzlich hat Apple viel zu bieten, etwa genaue Kundendaten die eine höhere Personalisierung der Werbung erlauben (App-Einkäufe, Verweildauer in der App etc.) oder unter Umständen sogar den Ort des potenziellen Kunden. Dies sind Vorteile die eventuell auch zu rechtlichen Problemen führen könnten.

Der Werbemarkt wird somit nicht neu erschaffen, aber vielleicht hat Apple das Rezept um ihn endlich gut zu machen, ein Resultat das für alle wünschenswert ist.
Es bleibt trotzdem zu hoffen, das App-Entwickler weiterhin kostenpflichtige Versionen oder werbefreie Pro-Versionen anbieten, denn selbst gute Werbung sollte für den Nutzer vermeidbar sein.

Bis zum Start von OS 4 gilt somit wie immer: Es bleibt spannend, dieses Mal allerdings sogar im verhassten Bereich Werbung.


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